Deutsche Rentenversicherung

Pathologischer PC-/Internetgebrauch

In der Fachklinik Eußerthal werden Rehabilitanden mit Pathologischem PC- und Internetgebrauch in einer eigenen Wohn- und Therapiegruppe behandelt.
Um die spezielle Problematik des Pathologischen PC- und Internetgebrauchs systematisch zu erfassen erhalten alle Rehabilitanden den Kurzfragebogen KPC zu Problemen beim Computergebrauch (Petry, 2010). Im nächsten Schritt erfolgt ein diagnostisches Gespräch zur speziellen Anamneseerhebung. Dieses dient vor allem der Erfassung und Entwicklung der zentralen Problembereiche wie Dichotomieerleben hinsichtlich Selbstwerterleben und Emotionsregulation im virtuellen versus realen Kontext, Interaktionsfähigkeit und Handlungsmotivation. Im nachfolgenden klinischen Interview erfolgt dann das vertiefende Verständnis der Problematik durch die Auseinandersetzung mit der Funktionalität des pathologischen PC- und Internetgebrauchs, wobei ein Schwerpunkt auf den zentralen Bindungserfahrungen der Kinder- und Jugendzeit sowie des Erwachsenenalters liegt. Das klinische Interview orientiert sich am Interviewleitfaden von Schuhler & Vogelgesang (2012).
Die PC-/Internetproblematik wird im Rahmen des Suchtbehandlungsangebotes der Fachklinik Eußerthal mit PC-/Internetspezifischer Schwerpunktsetzung behandelt. Dies bedeutet, dass Rehabilitanden mit Pathologischem PC-/Internetgebrauch grundsätzlich alle Rehabilitationsangebote der Fachklinik Eußerthal zur Verfügung stehen, dabei wird auf die mit der PC- und Internetproblematik im Zusammenhang stehenden intrapsychischen und interpersonellen Problembereiche vor allem Störungen in der Selbstwert- und Emotionsregulation sowie negative, misserfolgsorientierte Denkmuster und soziale Kompetenzdefizite spezifisch eingegangen. Im Vergleich zu Rehabilitanden mit Alkoholabhängigkeit und/oder dem Pathologischen Glücksspiel weisen Rehabilitanden mit pathologischem PC-Gebrauch vermehrt depressive Störungen und mangelnde Aggressionsregulierung auf (Schuhler et al. 2012). Dies findet im Behandlungskonzept besondere Berücksichtigung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt dem Krankheitsbild entsprechend auf den Bindungs- und Beziehungserfahrungen. Durch dieses erweiterte Verständnis für die PC-/Internetproblematik soll bei den Rehabilitanden die Motivation zur Einstellungs- und Verhaltensveränderung und insbesondere auch zum Aufbau eines kontrollierten Umgangs mit dem Medium PC/Internet gefördert werden. Diese Entwicklung von Medienkompetenz basiert dabei auf dem sogenannten Ampelmodell (vgl. Petry 2010).
Ein weiterer Schwerpunkt der Einzel- und Gruppentherapie liegt auf der Rückfallprophylaxe, d.h. der Erarbeitung von Strategien zum Verhindern eines Rückfalls in die früheren pathologischen PC-/Internetmuster. Dabei orientieren wir uns an den in der suchtmittelbezogenen Rückfallprophylaxe gängigen Rückfallpräventionsmodellen (Marlatt & Donavan, 2005) und an dem strukturierten Trainingsprogramm zur Rückfallprävention S.T.A.R. von Körkel und Schindler (2003). Beides kann gut auf die störungsspezifische PC-/Internetproblematik, insbesondere unter Berücksichtigung des Ampelmodells, adaptiert werden.
Da die Behandlung der Rehabilitanden mit pathologischem PC- und Internetgebrauch in einer eigenen Wohn- und Therapiegruppe stattfindet, kann die Gruppentherapie sehr gut für die Bearbeitung dieser spezifischen Problematik genutzt werden. Vorgesehen sind wöchentlich 4 Termine Gruppentherapie in der Bezugsgruppe, von denen zwei Termine für die Bearbeitung der stoffgebunden Abhängigkeit und deren Rückfallprophylaxe und zwei Termine für die Bearbeitung des pathologischen PC- und Internetgebrauchs und dessen Rückfallprophylaxe vorgesehen sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es zwischen den beiden Problembereichen starke Überschneidungen gibt, so dass es nicht durchgängig sinnvoll ist, die Bearbeitung nach den einzelnen Störungsbildern trennscharf vorzunehmen. Stattdessen soll der Überschneidung der Störungsbilder im Einzelfall durch eine individuelle übergreifende Bearbeitung Rechnung getragen werden.
Bei der individuellen Ausgestaltung des Rehabilitationsprogramms hinsichtlich der indikativen Angebote (vlg. Rehabilitationskonzept der Fachklinik Eußerthal) soll der besonderen Problematik der Rehabilitanden mit pathologischem PC-/und Internetgebrauch Rechnung getragen werden, indem bevorzugt erlebnis- und körpertherapeutische Angebote zum Einsatz kommen, wie die Indikativgruppe Kreative Therapie und gezielte Sport- und Freizeitangebote. Da die meist jüngeren Rehabilitanden, trotz guter schulischer Ausbildung im Vergleich zu den Pathologischen Glücksspielern und alkoholabhängigen Rehabilitanden, in vielen Fällen noch gar nicht im Berufsleben integriert sind, benötigen sie umfassende Behandlungsangebote zur beruflichen (Wieder-)Eingliederung (Schuhler et al. 2012).

Die psychotherapeutische Versorgung der Therapiegruppe erfolgt durch spezialisierte und entsprechend fortgebildete feste Bezugstherapeuten der Berufsgruppen der ärztlichen/psychologischen Psychotherapeuten oder Diplom Sozialarbeitern/Sozialpädagogen mit DRV anerkannter Weiterbildung zum Sozialtherapeuten Sucht.

Zusatzinformationen

Fachklinik Eußerthal

Klinik zur Rehabilitation Abhängigkeitskranker

Klinikstraße 1 | 76857 Eußerthal
Tel. 06345 20 0 | Fax 06345 20 119
E-Mail: fachklinik-eusserthal@drv-rlp.de

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